Reußenburg, Greifenstein und Bonnland:
Busfahrt in den Truppenübungsplatz Hammelburg
Pressemitteilung vom 22. August 2011
„Das hätte ich nicht erwartet!“ staunt Jürgen Höfle, der eigens 150 km weit aus Birkenau im Odenwald angereist ist, um an der Fahrt zum Truppenübungsplatz teilzunehmen.
„Angefangen hat alles damit, dass ich in einer Karte gesehen habe, dass gleich zwei Burgen bzw. Schlösser in einem Truppenübungsplatz liegen, da wollte ich wissen, was es damit auf sich hat“. Daraufhin hat Jürgen Höfle in der Touristinformation Hammelburg angerufen und neben ersten Auskünften und Literatur auch den Hinweis auf die bevorstehende Fahrt des Vereins Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg e.V. erhalten – „Da hab ich mich sofort angemeldet und bin froh, dass das geklappt hat. Da kommt man ja sonst kaum rein.“
Zweimal jährlich sollen ab 2012 solche Fahrten stattfinden, für Gäste aus Nah und Fern, aber auch für interessierte Bürger. 32 Wissensdurstige nahmen am sorgfältig vorbereiteten „Probelauf“ teil. Alfred Jeurink und Elfriede Böck haben eigens dafür ein kurzweiliges Programm ausgearbeitet und werden auch zukünftig die Fahrten begleiten und unterhaltsame Beiträge zur Geschichte, zu Flora und Fauna und zu militärischen Aspekten beisteuern.
Vorbei am „Franzosenkreuz“, einem Gedenkkreuz für die im Krieg gefallen Soldaten von 1914/16, ging es zur ersten Haltestation unterhalb der Reußenburg. Anschließend war eine kleine Wanderung zur Ruine eingeplant, zum Erstaunen vieler Teilnehmer vorbei an amerikanischen Panzerwracks aus dem 2. Weltkrieg „Die stammen noch vom Patton-Raid“, wusste Alfred Jeurink zu erzählen. Auch die Ruine Reußenburg war den meisten unbekannt. Im 14. Jahrhundert als Ganerbenburg der Herren von Thüngen errichtet, diente sie bis zu ihrer Zerstörung 1523 als Unterschlupf für Raubritter. Nicht nur die Bischöfe aus Würzburg, so Böck, hatten ihre liebe Not mit den Herren von Thüngen. Auch die Anklage wegen Landfriedensbruch und die Verhängung der Reichsacht hielten die Adeligen nicht von ihrem wüsten Treiben ab.
Die Ruine ist auch heute noch gut erhalten, der Turm kann bestiegen werden und ermöglicht an klaren Tagen einen weiten Blick ins Land. Diese Gelegenheit ließ sich
kaum einer der Teilnehmer entgehen.
Auch Greifenstein, der nächste Programmpunkt, wurde ursprünglich als Sitz derer von Thüngen errichtet. Bekannter ist die spätere Geschichte von Schloß Greifenstein, denn hier lebte die Familie von Gleichen-Rußwurm, darunter Emilie, die jüngste Tochter Friedrich Schillers und deren Sohn Ludwig von Gleichen-Rußwurm. Ludwig gilt als einer der ersten Landschaftsmaler, die den Impressionismus nach Deutschland brachten. Von ihm sind derzeit Bilder im Stadtmuseum Herrenmühle zu sehen.
Die Spannung stieg merklich, als Oberstleutnant Meder, seines Zeichens „Bürgermeister von Bonnland“ verkündete, dass der Gruppe Einlass ins Innere von Greifenstein gewährt wird. „Von der Inneneinrichtung ist leider fast nichts mehr zu sehen, aber es ist einfach ein besonderes Gefühl, an dem Ort zu sein, wo Emilie und Ludwig von Gleichen-Rußwurm gelebt haben. Da erschließt sich einem gleich viel mehr“ – zeigt sich Museumsmitarbeiterin Ilse Stein begeistert.
Oberstleutnant Meder übernahm dann auch die Führung durch Bonnland. Zu Ehren der Gruppe läuteten sogar die Glocken der Michaeliskirche.
„Gehört und gelesen hat man ja schon viel über Bonnland, aber erst vor Ort wird deutlich, dass es sich tatsächlich um ein komplettes Dorf mit Schule und Gastwirtschaft und allem handelt. Man meint, die Bewohner kommen jeden Augenblick zurück“, so der Kommentar von Manfred Hess aus Stettfeld im Landkreis Haßberge.
Zum Abschluss führte die Tour zu den beiden Friedhöfen innerhalb des Truppenübungsplatzes. „Hierzu möchte ich gar nicht so viel sagen, lassen Sie das Ganze einfach auf sich wirken“ – und damit tat Alfred Jeurink recht. Brigitte Keidel sprach das aus, was viele dachten: „Es war mir nicht bewusst, dass hier so viele russische Soldaten liegen, erschütternd“ .
Jürgen Höfle bereute am Ende des Nachmittags seine weite Anfahrt nicht. „Das war ein unglaublicher Tag. Jetzt fahre ich nach Hause und lasse das Ganze erst mal auf mich wirken – und bei einer der nächsten Fahrten bin ich bestimmt wieder dabei!“
Sehr zufrieden zeigten sich auch die beiden Organisatoren, Elfriede Böck und Alfred Jeurink „Da werden wir wohl keine Probleme haben, die Busse im nächsten Jahr zu füllen! Das hat alles bestens geklappt“. Die Termine werden rechtzeitig zu Beginn 2012 bekanntgeben.
Elfriede Böck MA

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